Nationalpark Bayerischer Wald – Wanderung zwischen Deutschland und Tschechien

In den vergangenen Tagen hatte ich die Möglichkeit mit einer Mitarbeiterin des Nationalpark Bayerischer Wald durch selbigen zu wandern. Etwas skeptisch trat ich diese Tour an, denn oftmals kennt man aus den Medien lediglich die bizarre Landschaft. Das Waldgebiet wurde 1970 zum Nationalpark und fiel Mitte der neunziger Jahre massive dem Borkenkäfer zum Opfer. Heute ragen zahnstochergleich die toten Baumstümpfe in den Himmel und wirken auf dem ersten Blick nicht gerade einladend – eher schockierend.

Die Tour startete am Fuße des Lusen 1373m und verlief über den Hauptkamm der Grenze zischen Bayern und Böhmen, Deutschland und Tschechien, zum Großen Rachel 1453m, der 2. höchste Berg in der Region Nationalpark Bayerischer Wald, und weiter nach Gfäll. Auf den Streckenverlauf werde ich ausnahmsweise nicht genauer eingehen. Doch soviel sei gesagt: „Natur Natur sein lassen“ ist das Motto der Nationalparkverwaltung. Dabei wird versucht, die Natur dabei möglichst wenig zu stören bzw. die negative Einflüsse minimal zu halten, Naturschutz eben. Das Kerngebiet des Nationalparks ist Auerwildgebiet, dessen Schutz hier oberste Priorität hat. Das ist der Grund, weshalb Besucher gebeten werden, die markierten Wege zu nutzen und nicht querfeldein zu laufen. Zusätzlich zu den markierten Wegen gibt es noch ein paar unmarkierte Steige. Und die dürfen nur zwischen dem 15.8. und 15.11. genutzt werden. Ab Mitte November wird es für die Auerhühner hart. Wenn der Schnee kommt, ernähren sie sich hauptsächlich von Fichtennadeln, die nicht viel Energie liefern. Jede Störung ist für die Vögel fatal, da sie viel Energie verlieren. Zu viele Störungen bedrohen ihr Überleben. Im Frühjahr dann startet die Balz. Damit die Population stabil bleibt, soll auch in dieser Zeit nicht gestört werden. Sie sollen sich ja fortpflanzen. Ungebetene Besucher stören da. Und danach, wenn die Eier gebrütet werden und dann die Jungen schlüpfen und noch versorgt werden, darf auch nicht gestört werden, sonst unterkühlen die Kleinen schnell und das war’s dann. Das ist der Hintergrund für dieses Zeitfenster.

Doch nun zurück zu den gewonnen Eindrücken. Das der Wald auf dem ersten Blick tot und bizarr aussieht habe ich bereits erwähnt. Aber auf dem zweiten Blick erkennt man Leben in seiner ursprünglichsten Form. Damals als sich der Borkenkäfer breit gemacht hatte und mehr als 4000 Hektar Wald vernichtete, hat man sich entschlossen den Käfer nicht zu bekämpfen und so überließ man die Natur sich selbst. Lediglich die befallenen Randzonen befreite man von Totholz um das Ausbreiten des Schädlings zu verhindern. Heute, knapp 20 Jahre nach dem Waldsterben, sieht man den Erfolg dieser Maßnahme. Wohin man blickt entsteht neues Leben und der Wald wirkt so ganz und gar nicht mehr Tot. Freilich, die Fichten brauchen einige Zeit um zu wachsen und wird wohl auch noch einige Jahre dauern, wahrscheinlich weitere 20 Jahre, bis kaum mehr etwas vom damaligen großen Sterben zu sehen sein wird. Aber es sind nicht nur die Nadelbäume, die wieder ihren Platz finden. Vielfältigste Pflanzenarten, Pilze, Moose und Flechten haben auf gefallenen Stämmen, abgebröckelter Rinde und auf dem durch Exkremente von Millionen Borkenkäfern gedüngten Boden wieder Fuß gefasst und lassen eine gesunde Wildnis entstehen. Und das ohne Rücksichtnahme auf politische Grenzen. Während wir Menschen es einst für nötig hielten mittels einen unüberwindbaren eisernen Vorhang Grenzen deutlich zu machen, macht die Natur hierbei keinen Unterschied. So schaffte es die Natur, daß Menschen unterschiedlichster Staaten gemeinsam an einem Projekt, nämlich der Erhaltung des Nationalparks, arbeiten.

Fazit: Wie immer lohnt sich ein zweiter Blick. Mich fasziniert sehen zu dürfen, was die Natur aus sich selbst macht und zeigt, dass es auch ohne der „Hilfe“ des Menschen geht. Unsere Hilfe kann nur darin liegen, nicht in ein solches Ökosystem einzugreifen, auch wenn es für unsere (aufgeräumten Nutzwald gewohnten) Augen ein chaotischer Anblick sein mag.

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